Prolog
Erst die vergangenen Tage las ich bei Ada Mitsou einen Text über die Melancholie, fand ihn so schön, dass ich mir auch Gedanken über das Thema gemacht habe oder sagen wir, es war viel mein Geist, der zu mir sprach, angestoßen von der Seele, die leise sang.
Die geschmeidige Katze der Melancholie
Wir können es nicht ändern, dass wir sind wie wir sind. Die Götter haben uns eine sehr empfindsame Seele geschenkt und es ist gut so. An manchen Tagen jedoch wollen wir sie in den Papierkorb zu den anderen zerknüllten Zetteln werfen. Es scheint, sie mache genau dann alles kaputt, was wir gerade aufgebaut haben. Die geschmeidige Katze der Melancholie - la chat noir - springt über den sauberen Tisch, schmeißt die Vase der blühenden Gedanken um und legt frech ihren Schwanz um unsere heitere Seele, während wir tiefer fallen als uns lieb ist.
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Genau dann möchtest du dich an einem Seil festhalten, das dich aus dem Schatten des Brunnens zieht. Irgendwie ist es komisch, dass la chat noir keine Rücksicht darauf nimmt, wie das Wetter ist. Eigentlich müsste sie erscheinen, wenn es regnet oder der Himmel seinen grauen Anzug trägt, aber nein, sie kommt angeschlendet mit ihrem Hut in der einen Pfote und den Schirm in der anderen, auch wenn die Sonne über unseren Köpfen scheint. Alle andere Menschen um uns herum sind glücklich - sie erwecken mit ihren Lachen zumindest den Eindruck - und du sitzt da, ziehst deine Sonnenbrille immer weiter ins aufgewühlte Gesicht und möchtest am liebsten die ganze Zeit weinen. Obwohl du keinen richtigen Grund dazu hast. Die Traurigkeit ist einfach da wie die Spatzen, die vom Boden Brotkrümel aufpicken.
Manchmal ist es anstrengend oder gar ermüdend eine Freundin der chat noir zu sein. Schnell vertauschen wir die Gefühle in uns, fühlen uns einsam, obwohl wir es nicht wirklich sind. Aber genau dann sind wir wie kleine Mädchen oder Jungs, die im Schoße der Mutter liegen wollen. Im Innersten jedoch kennen wir uns und die Kraft, die wir später daraus schöpfen werden; in den Momenten sind wir uns so nah wie sonst nie, ohne Make-up oder Krawatte. Andere, die la chat noir nicht kennen, haben Angst vor uns, denken, wir seien depressiv und zu nichts in der Lage. Was für ein Quatsch! Die einen haben Magengeschwüre, andere kämpfen mit hohen Blutdruck oder Herzrasen. Wir spüren in hektischen Zeiten eben einen Blues in uns, der an dunkle Nächte, an schwarze Katzen erinnert, die miauzend auf der Dachrinne sitzen und zum Mond sprechen.
Dass wir la chat noir an unserer Seite wissen, macht uns zu ganz besonderen Menschen. Wir sind keine Weicheier etwa wie einige aufgeblasene Zeitgenossen meinen, sondern wunderbar-schillernden Paradiesvögel, die sich in Ruhe auf ihren nächsten Flug vorbereiten.
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