Welche Farbe würde sie dem Glück geben, wenn es eine tragen dürfte? Grün wie die Hoffnung? Rot wie die Verheißung? Gelb wie die Sonne? Blau wie das Meer? Sie hat absolut keine Ahnung, aber wie das Unglück ausschaut, das weiß sie: Dunkelviolett bis Schwarz. Sie sitzt am Fenster und malt mit ihren Tränen einen Schneemann, der eine lange Nase hat, frech grinst, charmant mit ihr flirtet. Und kaum, dass sie ihn vollendet hat, macht es platsch und ein Vogel landet mit voller Wucht auf ihrem Fensterbrett. Panisch schlägt er mit den Flügeln um sich, aus seinem Schnabel kommt ein schriller Ton, das ist kein Lied, was er abends auf dem Ast singt, nein, er hört sich an, als hätte er einen schlimmen Stimmbruch oder einen Frosch im Hals. Er kreischt nach Leben und Rettung. Gerade, als sie nach ihm greifen will, fällt er hinunter, angezogen von der Erdanziehungskraft. In solchen Momenten hasst sie die Welt und das, was sie zusammenhält. Wieder war sie zu langsam, hat zu viel nachgedacht und sich in ihrem Selbstmiteild gebadet. Auch sie will jetzt schreien, sieht aber im letzten Augenblick, dass sich der Vogel im dritten Stock gefangen hat und weiterfliegt.
Januar 10, 2008
Januar 10, 2008 at 1:35
Ich finde es wundersam, wie kurz ein Moment des Glück sein kann, während sich der Zustand des Unglücklichseins manchmal so lange hinzieht. Doch wenn man nur einen Funken Hoffnung in sich trägt, spendet das selbst in den schwierigsten Situationen ein bisschen Trost. Deine letzten Zeilen tragen die Farbe Grün*