Die einen finden sie etwas verrückt und die anderen sind entzückt über Miranda July. 
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Blonde Redhead / Miranda July

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Nach ihrer eigensinnigen Kunst sorgt Miranda July nun auch als Schriftstellerin für Aufsehen. Auf Englisch schon erschienen – und bald auf Deutsch - liegen ihre Erzählungen „Zehn Wahrheiten“ demnächst in den Buchhandlungen. Ich gebe zu, dass ich bis vor kurzem Kurzgeschichten nicht so gern gelesen habe, doch das änderte sich mit dem Buch. Nicht nur, dass jede Erzählung einzigartig und verrückt ist, zusammen ergeben sie eine Summe, die man sich als eine bunte Gerbera mit Flügeln und Federn vorstellen kann. Mich begeisterte vor allem – neben den Ideen – die gelungene Komposition zwischen Glück und Trauer, Leichtigkeit und Schwere. Eben noch wunderbar beschwingt, schwappen die Erzählungen unerwartet ins Tiefgründige.

Das kann man  unter anderem in ~ Das Schwimmteam ~ erleben. Bis vor wenigen Minuten freute sich die Protagonistin, dass sie zwei älteren Damen und einem achtzigjährigen Herren über einer Wasserschüssel das Schwimmen und die Schwimmstile beigebracht hatte. Doch plötzlich wie ein spontanes Fingerschnippsen denkt sie an ihren ehemaligen Freund zurück, lässt sich von den Gefühlen überwältigen, obwohl sie es schon die ganze Erzählung über tut, aber der Ton färbt sich in wenigen Sekunden vom glücklichen Sonnengelb ins kalte Blau-Grau, so kommt es dem Leser vor:

„Du bist offensichtlich schon wieder rundum glücklich und hast, was du willst, obwohl unsere Trennung erst zwei Wochen her ist. Ich war mir nicht einmal vollkommen sicher, dass wir uns wirklich getrennt hatten, bis ich dich mit ihr sah. Du scheinst mir unglaublich weit weg, wie jemand am anderen Ufer eines Sees, nicht mehr als ein kleiner Punkt, von dem man nicht sagen kann, ob Mann oder Frau, ob jung oder alt. Wer mir – jetzt? heute Abend? – wirklich fehlt, das sind Elizabeth, Kelda und Jack Jack. Sie sind tot, das weiß ich immerhin sicher. Was für ein kolossal trauriges Gefühl; ich muss wohl die traurigste Schwimmtrainerin aller Zeiten sein.“ [...]

In ~Der Junge von Lam Kien ~ tauchen Beschreibungen wie diese hier auf:
„Die Laken auf meinem Bett waren ganz zerwühlt. Ich fuhr mit meiner Hand über die Landschaft der Tagesdecke. Es gab Flusstäler und Gebirgsdörfer. Es gab eine ebene Wüstentundra. Es gab eine Stadt, und in dieser Stadt war ein Schönheitssalon. Ich zog meine Schuhe aus und schlüpfte unter die Decke.“ [...]

Mit Miranda July bekommt das alltägliche Leben irgendwie einen merkwürdigen verzauberten liebevollen Pinselstrich.

Pressestimmen zu Zehn Wahrheiten:

„Miranda July ist die Künstlerin der Stunde. Versponnen, hellsichtig, sensationell.“ [Harald Hordych, Süddeutsche Zeitung]
„Ihre Kunst wurde gelobt, ihr Spielfilm gefeiert, jetzt schreibt sie auch noch tolle Kurzgeschichten. Wer ist Miranda July? [Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung]

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Über Miranda July:
1974 in Barre Vermont geboren, ist Künstlerin, Filmemacherin und Schriftstellerin. Ihre Arbeiten wurden schon im Museum of Modern Art und im Guggenheim-Museum gezeigt. 2005 kam ihr Spielfilm Ich und du und alle, die wir kennen in die Kinos, bei dem sie das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Hauptrolle spielte. Im Prestel Verlag ist der Bildband Learning to Love You More erschienen, der ihr gemeinsames Internet-Kunstprojekt mit Harrell Fletcher dokumentiert. Zehn Wahrheiten ist ihr Debut als Autorin. Miranda July lebt in Los Angeles, wo sie ihren nächsten Film vorbereitet.

Wer noch nicht genug hat, kann Miranda July auch übers Internet besuchen:
www.mirandajuly.com