Ich sehe dich an und weiß nicht, was ich machen soll. Aus einem Reflex heraus möchte ich deine Tränen, die dir wie Bäche über dein hübsches Gesicht kullern, auffangen und meine von den Tulpen leergetrunkene Vase füllen. Also reiche ich dir statt eines Taschentuchs ein leeres, hohes Glas.
Was machst du? fragst du.
Deine Tränen sammeln.
Warum?
Ich möchte sie für dich konservieren. (Dass mit der Vase verschweige ich.)
Und?
Gleich ins Tiefkühlfach stellen, vorher natürlich in die Tüte für Eiswürfel umfüllen.
Aber warum? fragst du erneut.
Als Dokument, als Beweis sozusagen.
Warum?
Hast du kein anderes Fragewort?
Wieso?
Ich möchte dir, wenn du später, anders über das Thema denken wirst, dir die Wahrheit zeigen, die du mir heute Abend offenbarst.
Dein Mund steht offen, deine Augen formen sich zu kleinen Schlitzen und erinnern mich an eine wütendende Japanerin, die nicht den passenden Obi zu ihrem Kimono finden kann.
Du machst dich über mich lustig.
Nein, ich bin offen und ehrlich. Ich meine, du beschwert dich immer, weshalb du immer in die gleichen Fallen tappst. Und am Ende sitzt du vor mir, erschöpft und vollkommen fertig mit der Welt und mit dir, weißt weder ein noch aus, verfluchst dich, knabberst an deinen Fingernägeln, drehst dir Locken in die Haare und wunderst dich, warum – das übrigens dein Lieblingswort sein muss – es dir ständig widerfahren muss.
Ich verstehe nicht.
Hallo? Sind wir nicht auf der Welt, um zu lernen? Um aus Fehlern eine weise Erfahrung zu sammeln, um das nächste Mal nicht in die gleich Falle zu tappen?
Es sind mindestens vier Monate her, dass wir so zusammen saßen. Du hast dich damals im Kerzenschein über mich später lustig gemacht, hast dich versucht im Eifer des Gefechts zu retten, mir geschworen, dass du nie wieder den Fehler begehen wirst. Nun lege ich den Telefonhörer auf und warte auf dich, wie immer, danach und ich frage mich: Wann wird es jemals anders sein? Deine Tränen ruhen in meinem Tiefkühlfach, einmal habe ich sie tatsächlich mit den wirklichen Eiswürfeln vertauscht und wunderte mich, dass der Gin salzig schmeckte.
Es klingelt. Das Glas steht schon auf seinem Platz. Und das Warum klein zusammengeknüllt daneben.