~~ Erste Gedanken ~~
Ich habe in den letzten Tagen mal wieder über etwas nachgedacht. Neben dem Schreiben war es die Literatur, die sich wie ein weites Feld vor mir erstreckt. Kürzlich berichtete ich hier, dass ich Dostojewski lese. Noch heute schwanke ich zwischen Begeisterung und Unsicherheit. Das wiederum hat dazu geführt, mich mit den Klassikern und zeitgenössischer Literatur näher zu beschäftigen. Und wie auf Knopfdruck lieferte mir der Feuilleton der SZ vergangenes Wochenende eine wunderbare Basis, auf der ich hier aufbauen kann. Der Redakteur Gustav Seibt schreibt in seinem Artikel “Das Unglaublichste, das Beispielloseste, das Natürlichste” über Goethes Ostermesse. Seibt beginnt mit einer wichtigen Aussage, die ich hier gern zitieren möchte:
Was ist ein Klassiker? Ein Buch, von dem man sich nur schwer vorstellen kann, dass es einmal eine Neuerscheinung gewesen ist. Ein Klassiker ist Teil unserer Welt geworden, als sei er immer da gewesen, ein Stück Kulturnatur. Er hat die Welt so verändert, dass er aus ihren historischen Grundlagen nicht mehr wegzudenken ist; das ist beispielsweise der Bibel mit ihrem Gottesbegriff gelungen oder der Psychoanalyse Freuds mit der Etablierung des Unterbewusstseins.
~~ Klassiker – was bringen sie uns? ~~
Natürlich ist diese Defintion für mich tiefgreifender als das, über das ich schreiben möchte, aber mir gefällt die Beschreibung sehr, so dass ich sie gern erwähnen wollte. Mir persönlich geht es nicht um die analytische Auswirkung der Klassiker allgemein auf die Welt, sondern um deren Bedeutung für uns sowie den damit verbundenen Lesevergleich zwischen älterer und neuerer Literatur. In diesem Zusammhang tauchten bei mir, wie anfangs betont, einige Fragen auf. Sollte man Klassiker lesen? Sollte man Klassiker meiden? Inwiefern sollte man sich mit ihnen auseinandersetzen? Warum lesen wenige Menschen Klassiker?
Man sollte Klassiker in jedem Fall lesen, nicht nur, dass sie einen enormen Teil an der Bildung beitragen, sondern sie formen auch das eigene Verständnis für die Welt. In ihren verstaubten Seiten findet man die Geschichte lebendiger als sonst, wie man sie damals im Unterricht in Form von Zahlen präsentiert bekommen hat. Viele Menschen meiden die Bücher zum Teil auch, weil sie zu großen Respekt vor ihnen haben. Allein schon das Wort Klassiker klingt in meinen Ohren sehr ästhetisch, ein bisschen königlich. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige an ihre Schulzeit zurückdenken, doch zu dem Thema gibt es an anderer Stelle ein paar weitere Worte.
~~ Klassiker, Gegenwartsklassiker/ Moderne Klassiker ~~
Der Begriff unterteilt sich noch in eine andere Unterkategorie, denn Klassiker ist nicht gleich Klassiker. Ich möchte gern Beispiele für die beiden verschiedenen Formen an dieser Stelle aufzählen und gegebenfalls differenzieren.
Klassiker:
Faust [Wolfgang Johann von Goethe]
Effi Briest [Theodor Fontane]
Stolz und Vorurteil [Jane Austen]
Gegenwartsklassiker/Moderner Klassiker:
Buddenbrooks [Thomas Mann]
Pippi Langstrumpf [Astrid Lindgren]
Frühstück bei Tiffany’s [Truman Capote]
~~ Zeitgenössische Literatur ~~
Bücher, die in unserer Zeit entstehen, reflektieren oft das aktuelle Leben wieder. Hier unterscheidet sich allerdings der Leseanspruch, was es damals vor 100 Jahren so noch nicht gegegeben haben könnte. Beweisen lässt es sich nicht, doch ich gehe mal fest davon aus. Ein Blick auf die Bestsellerlisten der vergangenen Jahre reicht doch schon aus, um meiner Behauptung zu folgen. Während am 23. November 1989 Rushdies Satanischen Verse auf Platz Zwei stand, fanden wir 2004 Sakrileg von Dan Brown auf den oberen TOP 2 Rängen. Natürlich schwankt auch die Bestsellerliste und ihre Bücher wie die Aktien an der Börse. Gegen die derzeitige habe ich so grob gesehen ganz nichts einzuwenden, doch es gab auch Wochen, in denen ich die Hände vor die Augen gehalten habe, als sich Romane von Cecilia Ahern oder Nicholas Sparks dort in luftiger Höhe der bestverkauftesten Bücher wiederfanden. Ich möchte darüber nicht richten, auch das ist Literatur, dennoch eine ganz andere als die oben erwähnte. Hier geht es mehr um Unterhaltung, als um die thematische Auseinandersetzung wie bei Martin Walsers Ein liebender Mann. Sicherlich hat der Einfluss der Medien einen enormen Beitrag dazu geleistet. Früher gab es im Fernsehen höchstens das Literarische Quartett, heute hingegen überlaufen sich die Literatursendungen regelrecht. Ich bin jedes Mal aufs Neue schockiert, wie sich die Menschen beeinflussen lassen. Kaum zückt Elke Heidenreich ihre Liste, schon schnellen ihre Empfehlungen nach oben in die Beststellerliste, wobei ich aber gern sagen möchte, dass ich einen Großteil ihrer vorgestellten Bücher gern gelesen habe – natürlich oftmals im Vorfeld. Ich denke da gern an Ein letzter Sommer, Der vollkommene Schmerz oder Mona. Das Grundproblem ist, dass Elke sehr spezielle – man möchte fast sagen – elitäre Romane vorstellt, was von der Sache her gut ist. Nur, was man oft übersieht ist, dass die Mehrheit der Zuschauer die eher einfachen Leute vertreten. Ich habe es oft am eigenen Leib zu spüren bekommen und zwar erinnere ich mich beispielsweise an eine Kundin, die von einer Frau Apdike etwas haben wollte. Ich fand im PC unter den Namen keinen Eintrag, bis die Dame Elke Heidenreich in den Mund nahm. Ach, verstehe, Sie meinen Herrn Updike. Ja, genau. Die anderen also diejenigen, die anspruchsvolle Literatur bevorzugen, beschäftigen sich selten mit Sendungen wie diesen, zumal sie ganz genau wissen, welche Werke sie gern mit ihren Augen verschlingen. Sie brauchen keine Gebrauchsanweisung fürs Lesen.
An dieser Stelle möchte ich den Frankfurter Buchpreis nicht unerwähnt lassen. Ich verstehe nicht, was sich die Jury dabei denkt, aber in den vergangenen beiden Jahren schmückten sich Bücher mit der Auszeichnung, die aus der Sicht vieler es nicht verdient hätten. Die Romane sind zu verkopft und teilweise so depressiv, dass man sich am liebsten eine Decke über den Kopf ziehen möchte. Ich spreche hier von „Die Habenichtse“ und „Die Mittagsfrau“. Aber auch hier kauften die Leute wie die Bekloppten, wenn ich als Buchhändlerin nicht ab und an dazwischen gegangen wäre, ihnen andere Werke unter die Nase gehalten hätte, die mehr zu ihnen passte. Wer weiß, wie viel weniger Leser es heute geben würde, wenn ich nicht gehandelt hätte. Ich möchte nicht nur Profit mit Büchern machen, sondern die Menschen sollen glücklich damit sein. Es ist nun mal so, dass der Otto-Normal-Verbraucher mit den Werken einfach nichts anfangen kann. Die meisten Leser wollen entweder unterhalten werden oder sich in den Geschichten wiederfinden und nicht an Sätzen, Ideen stolpern, die sie an Einträge im Lexikon erinnern. Sollte der Sinn des Deutschen Buchpreises nicht sein, dass mehr Leute wieder lesen und wir die Schriftsteller aus unserem Land für ihr besonderes Werk ehren? Dieses Ziel ist in den letzten beiden Jahren vollkommen verpatzt worden.
~~ Fjodor Dostojewski ~~
Ich habe mir nun nicht gerade die leichteste Lektüre ausgewählt. Fjodor Dostojewski ist ein Russe wie es im Buche steht. Zwar habe ich noch nie einen wirklichen Russen kennen gelernt, und dass obwohl ich in DDR mit unseren sowjetischen Freunden ausgewachsen bin, aber mir sind die Sagen um die tiefe, traurige russische Seele bekannt. Genau den Punkt finde ich ja so anziehend. Ich möchte keine Bücher über weite Felder lesen oder Lovestorys, von denen man bereits am Ende weiß, wie sie ausgehen, nein, ich möchte lesen, leiden, leben. Und das mit allen Sinnen.
Arme Leute, entstanden 1846, riss mich sofort in seinen Bann. Es ist eine der ersten Erzählungen von Dostojewski, die ihn mit 24 Jahren bekannt machte. Der russische Schriftsteller schreibt über einen armen Kanzleibeamten und einer jüngeren Frau, die im Petersburger Armenviertel leben. Täglich schreiben sie sich Briefe, tauschen ihre alltägliche Erlebnisse aus und geben sich gegenseitig die Hoffnung, eines Tages vielleicht doch aus dem Teufelskreis zu entrinnen. Armut ist das zentrale Thema, mit dem sich Dostojewski hier beschäftigt:
Während ich jetzt wieder an Sie denke, will mir das Herz brechen! Warum müssen gerade Sie so unglücklich sein, liebe Warinka? Mein Engelchen! Sind Sie denn schlechter als jene? Sie sind gut, sind schön, sind gebildet, weshalb ist Ihnen da solch ein Los beschieden? Warum ist es so eingerichtet, dass ein guter Mensch in Armut und Elend leben muss, während einem anderen sich das Glück von selbst aufdrängt. [...]
Hier nach wollte ich mehr und bekam es auch mit Der Doppelgänger. In der Erzählung geht es um den Kanzleibeamte Goljadkin, der eines Tages seinem Doppelgänger gegenübersteht. Auch als Dokument zu lesen, wie ein Mensch langam in die Schizophrenie abgleitet.
Es war ja klar, dass der anfängliche Lesefluss nicht problemlos weiterlaufen würde wie bisher. Das Durchkommen erwies sich leider nicht mehr als ganz so flüssig, weil die Gedankengänger des Protagonisten mich oft hinausrissen, die Sätze liefen weiter, ich jedoch fiel immer wieder hin. Ich eckte an, störte mich jetzt zunehmender an der Langsamkeit der Geschichte, verirrte mich in den vielen Personen und wusste am Ende des Tages nicht, ob ich das Buch weglegen sollte. Also blätterte ich nach einem Drittel der Erzählung weiter zur nächsten Erzählung. Vielleicht werde ich irgendwann die Zeit und Ausdauer haben an der Stelle wieder anzuknüpfen.
~~ Faszination Dostojewski ~~
Nachdem ich Ein junges Weib gelesen hatte, begann ich zu verstehen, woher die große Faszination für Dostojewski -über dessen Namensschreibwese sich bis heute die Geister streiten – rührt. In seinen Werken dreht es sich oft um einsame Einzelgänger, die in Armut leben. Dostojewskis Protagonisten sind so einsam wie Bojen, die auf einem See verlassen umhertreiben. Meist sind sie ohne Familie, Freunde und Bekannte, irren ziellos durch Petersburgs Straßenzüge. Nicht selten umgibt sie der schwarze Mantel der Traurigkeit. Manchmal verlieren sie sich darin und der Leser ist der einzige Zuschauer ihres eigenen Dramas.
Ich bin in jedem Fall dankbar für die Erfahrung, habe mich nun aber erst einmal in die einfachere – so erscheint es mir jedenfalls – Kategorie der Klassiker eingereiht und lese Simone de Beauvoir. Ihre Sätze lesen sich flüssiger, ihre Gedanken treffen meine Seele doch ein bisschen genauer als der einsame Russe.
~~ Klassiker – Die Notwendigkeit ~~
Ja, wir brauchen Klassiker und die Auseinandersetzung mit ihnen, denn sie sind oft qualitativ-hochwertiger als manches Buch heutzutage und nicht zu vergessen ist das Zeitzeugnis, das sie darstellen. Wo liest man in zeitgenössischer Literatur Themen wie über den Existentialismus oder die Armut, in der es ums wahre Überleben geht? Ich finde es ungünstig, dass Schüler in jungen Jahren abgeschreckt werden. Sie lesen in der Schule Werke, die sie noch gar nicht begreifen können, weil es ihnen u.a. an Weitsicht und Lebenserfahrung fehlt. Erst im Laufe der Jahre gelangen wir zu mehr Ruhe und Ausdauer, die das Lesen von Klassiker oftmals benötigt. Demnach werden die jungen Leute früh aus dem Genre verjagt, obwohl es teilweise wunderbare Werke sind, die einen auch prägen können. Wir sollten auch weiterhin den Klassiker den nötigen Raum geben wie bisher und in Zukunft noch ein bisschen mehr. Vielleicht gelingt es so, den einen oder anderen vor dem Fernseher in eine vollkommen andere Welt zu ziehen, die wesentlich reichhaltiger ist als die flimmernde Mattscheibe.
April 3, 2008 at 10:37
Liebe Monfiwi,
ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit dem Leseanspruch meinst, den es vor 100 Jahren wahrscheinlich nicht gegeben haben könnte. Das Lesen anspruchsvoller Lektüre? Das breite Spektrum an Inhalten? Die Bereitschaft zu lesen?
Wenn ich mich nun nicht irre, konnten zu der Zeit alle diese Fragen bereits mit einem (wenn auch etwas zaghaftem) „Doch!“ beantwortet werden. Es verhielt sich zu der Zeit mit dem Lesen bereits ähnlich wie heute. Frauen bevorzugten (Liebes-)Romane, Männer widmeten sich den Zeitungen, Abenteuergeschichten oder geschäftlichen und politischen Berichten. (Womit ich nun nicht sagen möchte, dass Frauen sich heutzutage nicht für Politik und Wirtschaft interessieren!).
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten viele Deutsche lesen und es bestand auch Bedarf danach. Ebenso verhielt es sich mit Büchern oder Abhandlungen, die sich auf das damalige Tagesgeschehen bezogen und eher wissenschaftlich als unterhaltsam waren.
Trotzdem gab es eine ähnliche Aufteilung wie es sie heute noch in manchen Köpfen gibt: Die Reichen und Gebildeten widmeten sich der klassischen Literatur, wohingegen dem „einfachen Volk“ die Trivial- oder Unterhaltungslektüre zugeordnet war. In letzterer Bevölkerungsschicht waren jedoch meist kurze Texte aus Zeitschriften beliebt.
Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt:
Die breite Masse mag es schnell, kurz und bündig – und mittlerweile am liebsten auch mit so wenig Anstrengung wie möglich. Was damals die Zeitschriften waren, ist heute das Fernsehen.
Wie informieren sich die meisten Menschen über Kultur, Politik und Wirtschaft? Über Fernsehsendungen, Reportagen, Dokumentationen etc. Dass leider nicht alles, was im TV gezeigt wird, auch Hand und Fuß oder Anspruch hat, wissen wir, womit ich auch schon bei Frau Heidenreich gelandet bin.
Du bist der Meinung, dass Frau Heidenreich „elitäre“ und „spezielle“ Romane empfiehlt? Das überrascht mich, denn auf fast jedem Buch – egal ob anspruchsvoll oder nicht, egal von welchem Autor – findet man mittlerweile einen Vermerk, dass E.H. dieses Werk doch wärmstens empfehle. Wohlgesinnte Menschen könnten sagen, sie habe eben einen breit gefächerten Geschmack und versuche bei allem neutral zu bleiben. Ich persönlich bin jedoch der Meinung, dass Qualität vor Quantität stehen sollte und Frau Heidenreich die Grenze längst zu ihrem Nachteil überschritten hat. Galt sie früher vielleicht noch als zuverlässige Quelle für interessante oder unterhaltsame Bücher, so kann ich mich heute genauso gut in den Buchladen stellen und wahllos oder blind ein paar Bücher herausfischen, anstatt etwas auf ihre Empfehlungen zu geben. Das Resultat wäre dasselbe.
Warum aber richten sich trotzdem so viele Menschen nach solchen Literatursendungen, wenn sie doch im Laufe der Zeit eher an Originalität eingebüßt haben? Ich habe darüber nachgedacht und mich ganz ehrlich gefragt: Wo erfahre ich heute überhaupt etwas über gute Bücher? Und wer sagt mir, dass ein Buch gut ist?
Die einzigen Bezugsquellen, die mir dazu einfallen, sind Internet (sprich amazon, perlentauer und co), Fernsehen, Literaturzeitschriften und der Buchhändler. Fangen wir mit letzterem an.
Ist ein Buchhändler gut, wenn er mir etwas empfiehlt, was ich brauche oder ist er gut, wenn er den Umsatz in die Höhe treibt? Richtig, ersteres (aus Sicht des Kunden).
Was von beidem ist in vielen größeren Filialen gezwungenermaßen der Fall? Richtig, letzteres (aus Sicht des Angestellten, der seinen Job verständlicherweise gerne behalten möchte).
Wie viele kleine Buchläden sind in den letzten Jahren wegen der großen Filialen und Internetshops eingegangen?
Ich denke das beantwortet, wie es zu der Zusammenstellung von Bestsellerlisten kommen kann und warum sich ein P.S. Ich liebe dich besser verkauft als ein unbekanntes, aber dafür vielleicht gehaltvolleres Werk. Doch das ist letztlich, wie du schon sagtest, reine Geschmacksache und sollte nichts über den Intellekt eines Lesers aussagen, da die Vorlieben eben unterschiedlich sind.
Literaturzeitschriften. Wer liest sie? Wer abonniert sie? Wer möchte sie bezahlen, wenn man doch eigentlich nur mal kurz wissen möchte, was es so für Bücher auf dem Markt gibt?
Ich vermute niemand. Außer man beschäftigt sich schon lange und gerne mit Büchern.
Internet: Wer suchet, der findet. Doch wer nicht weiß, wonach er suchen soll, der findet nur mit Glück und Zufall und so eine Suche kann auch schon mal viel Zeit und Mühe beanspruchen.
Was bleibt? Der gute alte Freund Fernseher und somit in dem Bereich leider auch in Spitzenposition Frau Heidenreich.
Der Kreis schließt sich wie ein Hamsterrad, in dem man bekanntlich nicht vorwärts kommt.
Zurück zum Thema Klassiker: Was die Schullektüre betrifft, stimme ich dir größtenteils zu. In meinen Augen halte ich es durchaus für sinnvoll, einen Werther, Faust oder die Physiker in der Oberstufe kennen zulernen und ich glaube, dass man auch im jungen Alter durchaus dazu fähig sein kann, diese zu verstehen. Jedoch sollte der Lehrplan nicht vergessen, hin und wieder Gegenwartsliteratur darunter zu mischen, denn Abwechslung ist das beste Mittel gegen Eintönigkeit und Ermüdung und letztlich bietet sich diese Vielfalt auch hervorragend dazu an, Altes und Neues gegenüber zu stellen und zu differenziertem Denken zu animieren.
Ich habe zwei Schulen besucht. Die erste war ein Paradebeispiel für den verstaubten Deutschunterricht, die zweite verstand es, Epochen und Themen geschickt miteinander zu mischen. Was mir damals als Schülerin mehr Spaß gemacht hat, muss ich an dieser Stelle wahrscheinlich nicht erwähnen. Die zweite Schule hat in jedem Fall dazu beigetragen, mich mit den berühmten Klassikern zu versöhnen, anstatt die Mundwinkel genervt zu verziehen, wenn jemand mit „Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust“ anfing.
Eins muss ich jedoch noch loswerden: Ich weigere mich zu akzeptieren, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung nichts Tiefergehendes mehr lesen möchte und stelle dem gegenüber, dass es mittlerweile einfach ziemlich schwer geworden ist, zuverlässige Quellen für schöne und gute Bücher zu finden.
Glück hat derjenige, der solche Menschen wie dich, liebe monfiwi, kennen lernt und hin und wieder ein paar persönlich abgestimmte Lesetipps bekommt. An dieser Stelle noch mal ein Danke dafür und auch dafür, dass wir diesbezüglich so sehr auf einer Welle liegen
Außerdem habe ich die Hoffnung, dass sich wenigstens wieder darum bemüht wird, Leute mit modernen Kommunikationsmitteln ans Lesen zu bringen. In dem Zusammenhang verweise ich wieder einmal auf lovelybooks.de oder auch buechereule.de, wo zum Diskutieren, Gewinnen, Austauschen und in Kooperation mit den Verlagen zum Testlesen eingeladen wird.
Tipps sind dort erwünscht und zum Glück auch individuell abstimmbar.