~~ Die Begegnung: herzlich, bewegend, liebevoll ~~
Heute – genau eine Woche später – freue ich mich über diese wunderbare Begegnung und lächele. So habe ich eine Schriftstellerin kennengelernt, die mir imponiert und mich innerlich auf eine zauberhafte Weise berührt – so sehr, dass sich an manchen Stellen des Hörbuchs kleine zaghaften Tränen in meinen Augen ansammeln. Während ich mich einerseits freue, sogar glücklich bin, verspüre ich ein leichtes Ziehen in meinem Herzen, weil ich ihre Geschichten als Kind nie gelesen habe, denn es war schwer in der DDR an Bücher von ihr zu gelangen. Als die Grenze sich öffnete, war ich neun Jahre jung und es strömte so viel anderes in die Regale: Hanni und Nanni um nur ein Beispiel zu nennen. Ich komme nicht umhin mich zu fragen, warum ich nach der Wende nicht Pippi, Mio oder die Brüder Löwenherz gelesen habe. Schade, sehr schade. Traurig läuft mir eine Träne über meine erhitzte Wange. Manche Dinge möchte man verstehen, kann es aber nicht, weil ein Puzzleteil fehlt, man weiß nicht welches, aber man spürt die Lücke ganz tief im Inneren so als hätte man sich geschnitten, so sehr brennt es.
~~ Zurück zu Astrid: die verspäteten Jahre des Lesens ~~
Da fällt mir der Satz ein: Lieber spät als nie. Wer sagt denn, dass eine 27-Jährige nicht auch Jugendbücher lesen kann? Die Frage, weshalb ich damals nicht mit Astrid Lindgrens Bücher in Berührung gekommen bin, werde ich wahrscheinlich nie klären können. Um so schöner, dass ich sie überhaupt treffen durfte, wenn auch nur in einem Hörbuch als Hauptdarstellerin.
Widmen wir also nun ganz dem eigentlichen Anlass dieses Textes.
~~ Jenseits von Bullerbü: lebendig, wirklich, authentisch ~~
Maren Gottschalk hat eine liebevolle Biographie über Astrid Lindgren geschrieben. Man hat das Hörbuch noch gar nicht geöffnet und ahnt schon, wie viel Herz in dem Werk steckt, da die Gestaltung des Covers an eine warme, vertraute Sommerwiese erinnert. Die Autorin erzählt lebendig und in einer wunderbaren Sprache von dem Leben der berühmten Schwedin. Dabei strickt sie an einigen Stellen ganz raffiniert die eigenen Berichte der Schriftstellerin in den Text hinein, so dass man für kurze Momente das Gefühl hat, als spräche Astrid selbst von ihrem Leben. Der Zuhörer lauscht nicht nur den einzelnen Lebensstationen Astrids – ich nenne sie hier auch ohne Nachnamen, da es ja in Schweden normalerweise so üblich ist – sondern er erfährt noch mehr über die Kinderbuchautorin und ihre Bücher, über deren eigene Geschichte der Entstehung und die Bedeutung. Und in alldem lächelt man über diese eigenwillige Frau, die die Stimme der Kinder war. Man möchte tatsächlich zu ihr laufen, sie umarmen und ihr danken, dass es sie gegeben hat und ihr Erbe noch Jahre später in den Kinderzimmern stehen wird. Maren Gottschalk ist es gelungen, ein Bild über Astrid zu malen, das man sich gern an die Wand hängen möchte.
~~ Die Sprecherin: eine Wohltat für die Ohren ~~
Ich möchte zum Schluss die Sprecherin Gabriela Badura nicht unerwähnt lassen, denn sie passt sich wunderbar in die Sätze der Autorin ein, dass das Buch in den Ohren schwingt wie Pippi auf ihrem Pferd, freudig wackeln dabei die roten Zöpfe und der Zuhörer streichelt sich am Ohr, weil die Stimme Baduras sich zu schön anhört.
~~ Der Auzug: eine großartige Aufzeichung von vielen anderen ~~
~~ Das Hörbuch ~~
Titel: Jenseits von Bullerbü – Die Lebensgeschichte der Astrid Lindgren
Autorin: Maren Gottschalk
Gelesen von Gabriela Badura
Audio CD
Verlag: Beltz
ISBN: 9783407809919
Preis: 9.95 €
Erschienen: Oktober 2007

April 5, 2008 at 3:00
Frage dich nicht, sondern freue dich, dass du jetzt all das entdecken kannst, was andere bereits hinter sich haben
Für mich waren ihre Bücher ein Stück Kindheitswärme mit Mamas Schoß und warmen Getränken und manchmal frage ich mich, ob ich so bin wie ich bin, weil ich früher solche Bücher gelesen habe – mit der Vorstellung von herzlichen Familien und sensiblen, aber selbstsicheren Kindern im Kopf, die einfach so leben, wie es ihnen gefällt und Sorgen mit einer guten Portion Zuversicht wegwischen.
Die Liebe zu dicken Schneeflocken, den Unsinn, den man manchmal noch gerne machen würde, den man sich aber verbietet, weil man doch erwachsen ist und ihn stattdessen in der Phantasie auslebt, den Bruder, den man liebt, auch wenn er einen immer ärgert…
Hach ja… so eine Erinnerung ist schön.
April 9, 2008 at 12:43
It seems a vey nice web site but my German is not so good. Thanks.