~~ Das Buch ~~
Vor einigen Tagen habe ich ja bereits aus dem Buch zitiert, doch heute schreibe ich ein paar mehr Worte über den Roman, der vergangenen Monat erschienen ist.
Wenn man dieses Buch liest, spürt man die heiße Sonne auf dem Kopf, das Salz auf den Lippen und dazwischen dieses Kribbeln im Bauch. Das Blut kocht sich in Wallung, die Leichtigkeit schwingt in der Stimme und die Träne im Auge sucht sich einsam ihren Weg. Es ist eine Lektüre, die einen mit allen Sinnen packt und die ich wärmstens empfehle.
André Aciman erzählt die Geschichte von dem 17-Jährigen Elio. Er ist zum ersten Mal richtig verliebt und zwar in Oliver, der für einen Sommer bei Elios Familie in Italien als Gast lebt, um dort sein Buch über Heraklit zu verfassen.
Zwischen den beiden entsteht anfangs ein Katz-und Mausspiel, wechselnd zwischen Leidenschaft und Ablehnung, zwischen Begierde und Distanz. Gerade dann, wenn sie sich näher kommen, reißt das Band und man findet sich einsam am Strand wieder, eben noch die Spur der Gefühle im Sand geschrieben und bald darauf wieder verwischt. André Aciman schreibt nicht nur über eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Männern, sondern auch über besondere Begegnungen, die uns ein Leben lang erhalten bleiben. Es gibt Menschen, die uns sehr nah waren, sie verschwimmen nie ganz, irgendwo im Herzen bleibt ein warmer Schatten, ein Bruchstück der Erinnerung, an das wir bis zum letzten Atemzug zurückdenken werden.
Ruf mich bei deinem Namen ist ein sensibles Buch, eingetaucht in Melancholie und umgeben von vielen Gefühlen. Es ist außerdem wunderschön geschrieben und besonders die Sätze von Elios Vater hallen wohl noch lange in meinem Gedächtnis nach.
Man sagt von dem Werk auch, es trage das Herz auf der Zunge.
~~ Die Leseprobe ~~
„Vielleicht waren wir in erster Linie Freunde und erst in zweiter ein Liebespaar. Aber vielleicht es ja das, was ein Liebespaar ausmacht.“
„Ihr hattet eine wunderbare Freundschaft. Vielmehr als Freundschaft. Und ich beneide dich. Die meisten Eltern würden hoffen, dass es vorübergeht, oder beten, dass ihre Söhne möglichst bald wieder festen Boden unter den Füßen bekommen. Aber ich denke da anders. Wenn der Schmerz kommt, pflege ihn, und wenn eine Flamme brennt, lösche sie nicht, sei nicht brutal zu ihr. Entzug kann schrecklich sein, wenn er uns nachts wach hält, und zu erleben, dass andere uns schneller vergessen, als uns lieb sein kann, ist nicht besser. Wir reißen viel mit Stumpf und Stiel aus unserer Seele, um nur ja ganz schnell wieder gesund zu werden, dass wir bis dreißig bankrott sind und bei jedem Neuanfang weniger zu bieten haben. Aber nichts zu fühlen, um nichts fühlen zu müssen – welche Vergeudung!“
„Dein Leben ist deine Sache. Aber denk daran, dass uns Körper und Seele nur einmal geschenkt werden. Die meisten Menschen müssen sich wohl oder übel so benehmen, als führten sie zwei Leben, eins die Kopie, das andere das Original. Gar nicht zu reden von den vielen Zwischenformen. Aber es gibt nur das eine, und unversehens ist die Seele müde geworden,und irgendwann kommt der Moment, in dem niemand mehr deinen Körper anschauen geschweige denn ihm näherkommen mag.“
~~ Der Verlag ~~
Ich möchte diesen Text noch nutzen, um auf den kleinen Schweizer Verlag Kein+Aber aufmerksam zu machen, in dem das Buch erschienen ist. Vielen ist er bestimmt nicht so bekannt wie Rowohlt oder Diogenes, deshalb lege ich hier ein kleines Lesezeichen hinein. Man erkennt die liebevollgestalteten Bücher aus dem Hause Kein+Aber an ihrer Größe, da sie etwas kleiner als die anderen sind.
Wer feine, anspruchsvolle Literatur schätzt, ist hier genau richtig. Bekannt geworden ist Kein+Aber seinerzeit durch die Neuauflage der Truman Capote Romane, die Elke Heidenreich in ihrer Sendung Lesen vorstellte. Sie wurden neu übersetzt und lesen sich nun wesentlich besser, irgendwie geschmeidiger. Der Verlag ist für den Buchmarkt wichtig, sogar sehr wertvoll, weil er ein sehr ausgewähltes, hochwertiges Programm anbietet, was mich begeistert. Leider sind manchmal auch Autoren dabei, die viele Kunden nicht kennen, doch mit dem besonderen Feingefühl wische ich gern die Zweifel aus und empfehle sie weiter, was mir wiederum auch nur so gut gelingt, weil der Verlag bestens mit dem Buchhandel kooperiert, so sind jedenfalls meine Erfahrungen bisher gewesen.
