Bücher sind meine große Leidenschaft, deshalb war es mir eine große Freude den Fragenbogen, den mir Ada Mitsou zugespielt hat, auszufüllen.
Was lesen Sie gerade?
Derzeit lese ich Die Poeten der Nacht. Ich habe es noch gar nicht bis zur Hälfte durch und bin begeistert über die Idee, die dahinter steckt. Es geht um den Studenten Niall, der in dem geheimen Club der Literati aufgenommen wird.
Wie finden Sie Ihre Lektüre?
Großartig, weil sie sich mit so vielen beschäftigt. Zum einen ist das die Leidenschaft für die Bücher, die Menschen zusammenführt und ein tiefes Geheimnis mit dem Spiel der Literatur, das ebenso göttlich wie dämonisch ist und gefährlicher als sie wahrhaben wollen. Und zum anderen erzählt der Ich-Protagonist von seinen Träumen, Leidenschaften, Ängsten, aus der Sicht eines schwulen Jungen. Das Zweite, das ich in diesem Frühjahr lese.
Erinnern Sie sich an Ihr erstes Leseerlebnis?
Meine Schwester hatte mir zu Weihnachten Heidi geschenkt. Im Laufe meiner vielen Umzüge ist es leider verlorengegangen und ich bin sehr traurig darüber. Ich erinnere mich noch daran, dass mir meine große Schwester in der Kindheit immer schöne Bücher geschenkt hat wie beispielsweise Der Trotzkopf. So verschieden wir auch sind, da hat sie stets den den Kern getroffen und ich bin hier heute noch dafür sehr dankbar.
Wer ist Ihr Lieblingsautor, Ihre Lieblingsautorin?
Haruki Murakami und Banana Yoshimoto – nach vielen Jahren noch immer, denn ich fühle mich ihnen auf eine besondere Art und Weise irgendwie innig verbunden. Ich möchte fast sagen, sie sprechen mir aus der Seele, fast so als würden sie mich wirklich kennen. Außerdem schätze ich die moderne japanische Literatur sehr, weil sie das Alltägliche mit dem Fantastischen verknüpft und die Sprache dabei so wunderbar sensibel und bildhaft ist, das man ständig das Gefühl hat, man läge auf der Hollywoodschaukel im Garten, während ein guter Freund aus seinem Leben erzählt. Alles ist so vertraut, so nah, dass man davon Herzrasen und Gänsehaut bekommt. Und wenn man Murakami liest, bekommt Lust auf die einfachsten Dinge, wie Bügeln oder Spaghetti kochen. Klingt verrückt? Ist aber so. Ich schätze aber Autorinnen und Autoren wie: Zeruya Shalev, Cees Nooteboom, Christoph Hein, Connie Palmen, Ketil Bjoernstad, John Irving, Kazuo Ishiguro, Patrick Modiano, Ljudmila Ulitzkaja, Leon de Winter, Bernhard Schlink und Colum McCann.
Welches Buch würden Sie ein zweites Mal lesen?
Mister Aufziehvogel von Haruki Murakami, weil ich es zu einem Zeitpunkt gelesen habe, als ich mich von den einfachen Romanen zu den anspruchsvolleren bewegt habe, noch sehr jung war und heute glaube, einiges nicht mit der Intensität gelesen zu haben, wie ich es heute täte. Doch bei mir stapeln sich die Bücher, dass ich mir diesen Luxus nicht gönnen kann.
Lesen Sie täglich in einem Buch?
Natürlich. Ich verlasse das Haus NIE ohne ein Buch. Ich habe überall Bücher: In der Küche, neben dem Bett, in meinen Taschen, neben der Couch und natürlich im Regal.
Welches Buch haben Sie in letzter Zeit verschenkt?
Ich habe Bücher von Cees Nooteboom verschenkt, aber auch Titel jenseits der Bestsellerliste, die nur gute Buchhändler kennen. Ich versuche mich dabei, in die Lage und Stimmung der Freunde zu versetzen, denn manchmal neige auch ich dazu, meine Lieblingstitel zu verschenken, ohne zu beachten, ob sie den anderen auch so beglücken wie mich.
Gibt es ein Buch, das für Ihre Arbeit von besonderer Bedeutung war oder ist?
Da ich als Buchhändlerin tätig bin, habe ich eine lange Latte, die für mich von Bedeutung waren und sind. Wie oben bereits erwähnt, empfehle ich gern Bücher, die nicht viele kennen, aber mindestens genauso gut sind. Ich inspiriere gern und die Kunden haben es mir oft im Nachinein gedankt. Ich denke da an Der Froschkönig von Adam Davies, Frau Paula Trousseau von Christoph Hein, Ich warte darauf, daß etwas geschieht von Margaret Forster oder Das Federkleid von Banana Yoshimoto.
Welchem aktuellen Buch würden Sie mehr Erfolg wünschen? Warum?
All den Unbekannten, weil sie es wert sind sie zu lesen und manchmal sogar besser sind als die Beststeller.
Das Ministerium für besondere Fälle von Nathan Englander
Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer
Die Geschichte der Liebe von Nicole Krauss
Die Nacht der Kalligraphen von Yasmine Ghata
In Boston? von Russell H. Greenan
84, Charin Cross Road. Eine Freundschaft in Briefen von Helene Hanff
Als der Zirkus kam von Wlodzimierz Odojewski
Der englische Harem von Anthony McCarten
Die Kaiserstraße von Judith Kuckart
Fyksens Tankstelle von Lars Mytting
Ruf mich bei deinem Namen von André Acimen
Der nasse Fisch von Volker Kutscher
Baum der Nacht von Truman Capote
Die Glasbücher der Traumfresser von Gordon Dahlquist
Als der Blues begann von Janice Deaner
Sommer mit Fremden von Taichi Yamada.
Reality-Show von Amélie Nothomb
Liebeswutvon Fernanda Eberstadt
Der Geschmack von Apfelkernen von Katharina Hagena
Der vollkommene Schmerz von Ugo Riccarelli
Die Freaks von Joey Goebel
Leider wollen die meisten Kunden oft Bestseller und es ist sehr schwierig, sie auf andere Pfade zu lenken. Und mir war es eine Freude, den Kunden die Gewinnerin des Buchpreises 2007 Die Mittagsfrau von Julia Franck auszureden und ihnen stattdessen – ebenfalls für den Preis nominiert – Böse Schafe von Katja Lange-Müller mitzugeben.
Gibt es ein Buch, von dessen Lektüre Sie abraten würden?
Nein, denn jeder muss seine eigene Erfahrung selbst machen. Natürlich runzele ich die Stirn, wenn Leute Paulo Coelho lesen wollen, denn es ist wie der gute Literaturkritiker Denis Scheck einst sagte, weichgespülte Esoterik. Der Autor hatte seine Zeit, finde ich.
Erinnern Sie sich an eine Literaturverfilmung, die Sie besonders beeindruckt hat?
Der Name der Rose, Der talentierte Mr. Ripley, alle Agatha Christie Verfilmungen und die Kurt Wallander Verfilmungen mit Rolf Lassgard als Darsteller.
Welches Buch haben Sie immer noch nicht gelesen?
Eine Vielzahl von Klassikern wie: Der Zauberberg, Anna Karenina, Madame Bovary, In Swanns Welt, Schneeland, Der Ekel, Pippi Langstrumpf, Mio, mein Mio, Ronja Räubertochter. Ich finde einfach nicht die Zeit dazu, denn der Literaturmarkt wird ständig mit Neuerscheinungen überschwemmt bei denen man als Buchhändlerin mitreden will und muss.
April 25, 2008 at 10:41
Oh, ich freu mich! Hab schon ganz gespannt auf deine Antworten gewartet und es sind wieder viele neue Tipps dabei. Danke!*