Mai 9, 2008
Geschmacksneutral - Poeten der Nacht [Barry McCrea]
Posted by monfiwi under Lesezeichen | Schlagworte: Bücher, literatur, Literaturcafé |Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie ich über das Buch denken soll. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Man spielt mit der Sonne und mit dem Mond und weiß am Ende nicht, auf wessen Seite man steht.

In dem Buch geht es um einen jungen Mann, der als Stipendiat sein Literaturstudium aufnimmt. Es dauert jedoch nicht lange und Niall kommt von seinem Weg ab, lässt sich von einer geheimen Vereinigung beeinflussen. Zu groß ist Neugier nach John und Sarah, zwei Mitglieder der Literati. Dies ist ein geheimer Club, der ein jahrhundertealtes Spiel betreibt, das ebenso göttlich wie dämonisch ist. Zunächst beginnt es für Niall ganz harmlos, bald jedoch entpuppt es sich als ein gefährliches Unterfangen. Eine Flucht scheint unmöglich und anfangs fällt es dem Leser schwer, dem Ganzen nachzuempfinden. Bald erleben wir Buchstaben nicht nur als irgendwelche Zeichen, die Wörter und einen Sinn ergeben, sondern auch als einen betörenden Rausch, der am Ende nur süchtig machen kann.
Das Buch hängt irgendwie die ganze Zeit in der Warteschleife. Niall sucht ständig jemanden, rennt mit müden Augen durch die Straßen und versucht seine Verzweiflung mit Bierflaschen zu betäuben, die ihn dann wiederum, schwer angetrunken, in die Arme junger Männer treiben. Sofern echt, erfährt der Leser hier übrigens einiges über Schwulenclubs in Dublin.
Die Sprache ist wunderbar, auch die Gedanken und Gefühle des jungen Mannes, der sich noch nicht zu seinem Schwulsein bekannt hat, ziehen den Leser in den Bann, doch das eigentliche Elementare, um das es hier gehen soll, also der geheime Literaturclub, verliert immer mehr an Glanz, auch deshalb, weil man sich als Leser schwer in den Rausch hineinversetzen kann. Hier fehlt eine Stelle, die dem Ganzen genau den Kick gibt, die solch ein Thema dringend braucht. In der Mitte des Buches habe ich mich auch gefragt, ob ich es zur Seite legen soll. Trotz der Kritik, möchte ich auch nicht unter den Tisch kehren, dass der Autor in seinem ersten Roman wichtige Themen des Menschens anspricht, die einen bewegen: Erwachsenwerden, Jungsein, Selbstfindung, Obsessionen, Sucht.
Man merkt schon, dass der Autor mit der Literatur vertraut ist. Er ist 34 Jahre und trägt einen Doktortitel aus dem gleichnamigen Bereich. Ich finde, letztlich hat er versucht, zu viele Themen in seine Geschichte zu stecken und hat dabei das Wesentliche in den Schatten gerückt. Empfehlen würde ich das Buch vor allem jungen Schwulen, weil sie sich hier wiederfinden, insbesondere was die Ängste vor dem Coming Out betreffen und die Selbstfindung.