Ich gebe zu, die Überschrift ist etwas drastisch, aber mein Zorn ist gerade zu groß ebenso die Wut darüber, dass mal wieder ein traditionsreicher ostdeutscher Verlag vor dem Aus steht.
Der Aufbau Verlag aus Berlin hat vor wenigen Tagen Konkurs angemeldet. Und ich frage mich: Warum kann es nicht eine große Bank oder eine Versicherung treffen?
Juni 3, 2008 at 1:47
Merkwürdig, ich habe mich neulich noch mit einer Freundin über Verlage unterhalten und dabei festgestellt, dass ich den Aufbau Verlag wegen seines Bücherdesigns nicht so gerne mag. Ich habe auch nur wenige Ausgaben davon, weil sie mich eben nicht so ansprechen. Trotzdem ist es natürlich bedauerlich.
Juni 4, 2008 at 10:37
liebste ada, da gebe ich dir recht: beim bücherdesign zählt der aufbau-verlag nicht gerade zu den besten, doch dafür glänzt sein programm. ich schätze vor allem die vielzahl der klassiker und anspruchsvoller literatur, die der verlag verlegt: anna seghers, robert merle, brigitte reimann, hans fallada… oder denken wir an die fabelhafte kriminalautorin fred vargas oder all die süßen gedichtbände von tucholsky, morgenstern, mörike, ringelnatz etc. ich könnte noch so viel mehr aufzählen und denke: manchmal überzeugt doch mehr der inhalt als die verpackung.
Juni 4, 2008 at 11:39
Da gebe ich dir Recht, doch manchmal muss man erst auf den Inhalt aufmerksam gemacht werden, damit man zu einem treuen Anhänger wird, so oberflächlich das auch im ersten Moment klingen mag. Es ist im weiteren Sinne eine Frage der Werbung. Stehe ich, als unwissender Kunde (was ich mittlerweile nicht mehr ausschließlich bin), vor einem Tisch mit vielen Büchern, so greife ich doch zuerst zu den Exemplaren, die mich optisch ansprechen, neugierig machen und gefangen nehmen. In dem Fall siegt für mich der btb Verlag z.b. haushoch vor dem Aufbauverlag. Gefällt mir nun neben der Aufmachung auch noch der Inhalt, liegt mein Augenmekr vorrangig auf dem, was mich bisher glücklich machte. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht auch anderes ausprobiere, es muss nur überzeugen und das rundum.
Die Bücher, die ich aus dem Aufbau Verlag besitze, zeugen auch von Qualität, jedoch scheint der große gute Name und der Aufmacher für mich zu fehlen.
Wenn ich zweimal Tucholsky vor mir habe, entscheide ich mich neben dem Inhalt (der ja derselbe ist) lieber für die Ausgabe, die auch noch meinen Geschmack trifft und mir den Eindruck von etwas besonderem vermittelt. Natürlich ist es eine Frage des persölichen Geschmacks!
Doch es ist ein bisschen so, als würde man ein Hamburger Leseheft mit einem stilvollen Taschenbuch vergleichen. Beides ist inhaltlich interessant, doch zwischen den Aufmachungen liegen Unterschiede.
Juni 4, 2008 at 11:44
Noch ein gutes Beispiel für die Gestaltungsunterschiede: Murakami – Wie ich eines schönen Morgens im April…
Ich stand vor dem Regal und sah zwei Ausgaben: Die eine wunderschön in Rottönen mit einem Schmetterling – kunstvoll, reizend und einfach schön. Die andere in Mintgrün mit einem Foto einer japanischen Frau – etwas billig wirkte es. Ich hätte 1000x lieber das erste genommen, doch da es teurer war, nahm ich letzteres. Schön finde ich es jedoch nicht und wenn ich mehr Geld gehabt hätte, wäre meine Wahl auf jeden Fall auf die andere Ausgabe vom anderen Verlag gefallen.
Ich bin nicht nur ein interessierter Leser, sondern auch ein Freund von Kunst und Schönheit. Da hat ein schlechtes Cover schnell mal verloren.
Doch zum Glück gibt es ja auch Menschen, für die so etwas keine Rolle spielt