Der Schmerz hat viele Formen, weißt du?

Nein, ich kenne nur den einen, wenn ich mich stoße oder hinfalle. Oder wenn ich krank bin und schrecklich Halsweh habe.

Da hast du Recht, auch der gehört dazu, aber ich meine noch einen anderen, wenn man traurig ist und einem selbst die liebste Limonade nicht schmeckt.

Das ist auch Schmerz?

Im gewissen Sinne ja, meine Liebe. Dann weint das Herz und dein Bauch füllt sich mit salzigen Tränen.

Ja, das kenne ich. Oh, wie weh das tut.

Aber auch das gehört dazu wie ein Jauchzen, das du vor Glückseligkeit herausschreist. Das sind die Zeiten eines Menschens, die schmerzhaft sind, man keinen Eingang und keinen Ausgang findet. Es scheint dann, als gäbe es nur Häuser mit geschlossenen Fenstern, ohne Türen.

Aber warum muss das so sein? Wenn es uns nicht gut geht dabei?

Weil uns solche Momente erden. Wir landen mit unseren Füßen wieder auf dem Boden, sehen uns, wie wir sind, was wir haben. Und ganz wichtig, solche Schmerzen machen uns am Ende stärker. Sicherlich dauert das, aber wenn du das überwunden hast, manchmal kann es nur einige Tage und ein anderes Mal Monate dauern, gehst du ganz anders in die große weite Welt hinaus.

Das ist anders, als wenn ich mich gestoßen habe, warum?

Weil es aus dem Inneren kommt, hier her, aus deiner Seele und deinem Herzen. Das ist viel tiefer als eine Schürfwunde.

Gehören also Glück und Unglück zusammen, ja?

Genau, sie bilden eine kleine Symbiose, also eine Einheit, der Eine kann nicht ohne den Anderen. Schau, wie der Tag und die Nacht. Allein wären sie langweilig… stell dir vor, wenn es immer hell wäre.

So was wäre echt total doof. Ohne Sonnenuntergänge und so.

Stimmt.

Das sind die Formen von denen du gesprochen hast?

Ja, nenn sie die Philosophie des Schmerzes.

Das hört sich irgendwie anders an, nicht so hart.

Fast zärtlich, so als würde ich dich wie jetzt streicheln.

Ja, so und nicht anders.

Also hab keine Angst, Kleines.

Jetzt nicht mehr.