Ich weiß noch genau, wie ich mich fühlte, als ich das Buch entdeckte: Leer. Die Stunden in der Buchhandlung zogen sich durch Langeweile in die Länge und plötzlich hielt ich inne, als ich das Büchlein auf dem Tisch liegen sah.
Helene Hanff – 84, Cross Road – Eine Freundschaft in Briefen.
Die Buchstaben flatterten unruhig vor meinen Augen fast so, als hätte das Buch nur auf mich gewartet. Die meisten Kunden, die mich in dem Laden damals aufsuchten wollten nur Bestseller und von der feinen Lektüre nichts wissen und das obwohl es wirklich ein großes Stück Literatur ist – es ist viel mehr eine Hommage an das Kulturgut Buch.
Helene Hanff verband einst eine innige Freundschaft mit den Buchhändlern des Londoner Antiquariats Marks & Co. Die verschiedenen Menschen hatten sich nie gesehen, die ganze 20 Jahre nicht und doch verband sie eine Freundschaft, jene Verbindungen, die es nicht oft gibt. Die Schriftstellerin Helene Hanff lebte in New York und war stets auf der Suche nach Büchern, die Marks & Co. besorgen konnten. Erst sind die Briefe rein geschäftlicher Natur, doch im Laufe der Zeit bekommen sie immer mehr einen persönlichen Schliff – besonders bemerkswert ist die Sprache, wie wir sie heute gar nicht mehr kennen.
Ich plädiere als anerkannte Buchhändlerin dafür, dass dieses Buch in jedes Regal gehört, vor dem sich Menschen tummeln, die eine Leidenschaft für schöne Bücher pflegen. Es ist klein, ungemein fein, unersetztlich und lässt im Vergleich viele aktuelle Bestseller blass aussehen.
Mai 5, 2009 at 7:47
Habe das Buch erst jetzt entdeckt und bin begeistert. Absolut zeitlos, einfach wunderbar!