Eine paar kleine Köstlichkeiten aus dem Literaturbetrieb, die ich sehr empfehle.

Böse Schafe – Katja Lange-Müller
Eine wunderbare Geschichte im Berlin der Achtziger, über zwischenmenschliche Beziehungen und vielleicht ein Stückchen Liebe? Die Sprache ist ausgezeichnet. Auch wenn ich das Buch verschlungen habe, gab es viele Stellen, an denen ich hängen blieb. Nichts für Freunde seichter Literatur, aber für Liebhaber niveauvoller Bücher.

Freaks – Joey Goebel
Hier lacht man und seufzt aus vollem Herzen. Es geht um Außenseiter, die sich gesucht und gefunden haben. Was sie außerdem verbindet, ist die große Leidenschaft für Musik und so gründen sie die Band „Freaks“. Jede Figur ist so verrückt, dass man sich an den Augen reibt, so herrlich erfrischend. Wer gern auch mal Schräges liest, sollte in das Buch unbedingt reinlesen.

Zehn Wahrheiten – Miranda July
Die Autorin ist eine durchgedrehte Nudel und das beweist sie auch in ihren erstem Erzählband. Sie erfindet den Alltag neu. Mit ihren Protagonisten entdecken wir Täler und Berge im Bettlaken, lernen Schwimmunterricht von einer anderen Seite kennen, über einer Wasserschale, um nur einige skurile Begebenheit des Buches zu nennen. Dazu runden viel Gefühl und kluge Sätze das Werk ab.

Amrita – Banana Yoshimoto
Ist der Kummer groß, weißt du nicht, wohin mit deinen Fragen im Leben, dann vergiss Paulo Coelho und schnapp dir Amrita. In dem Buch geht es um Sakumi, die versucht über den Tod ihrer Schwester hinwegzukommen. Hier finden sich alle Facetten des Lebens: Tod, Kummer, verbotende Liebe, sich suchen und finden. Für mich ist Amrita auch so etwas wie der Ersatz einer guten Freundin. Was ich außerdem an der japanischen Autorin schätze, ist ihre wunderbare sensible und bildhafte Sprache. Zart wie die Berührung einer Blume.

Späte Familie – Zeruya Shalev
Selten hat mich ein Buch so bewegt, wie dieses. Ella verlässt ihren Mann, um in ihrer lang ersehnten Freiheit zu schwimmen, doch es kommt anders als sie erwartet hatte. Sie kämpft gegen das Frauenbild in der isralischen Gesellschaft, gegen Einsamkeit und hofft, als sie eine neue Liebe findet, für sich und ihren Sohn doch eines Tages eine neue Familie, eine späte Familie zu gründen. Zeruya Shalev schreibt radikal und ist dabei gleichzeitig sehr feinfühlig. Dieses Buch hat mich herausgefordert und doch sehr beglückt.

Frau Paula Trousseau – Christoph Hein
Mein Geheimtipp an alle Frauen, die bewegende Lebensschicksale mögen. Dies ein rein fiktionaler Roman und doch hat man das Gefühl, als hätte es die Malerin Paula Trousseau wirklich gegeben. Wie werden wir zu dem Menschen, der wir geworden sind – das ist die zentrale Frage mit der sich der Autor in diesem Werk beschäftigt. Ein Buch, das man förmlich verschlingt.

Ich warte darauf, dass etwas geschieht – Margaret Forster
Der Roman enthält fiktive Tagebuchaufzeichnungen von Millicent King aus England. Sie beginnt als 13-Jährige und hört kurz vor ihrem Tod, Neunzigjährig, mit den Eintragungen auf. Authentisch und anrührend hat Margaret Forster ein Frauenleben porträtiert, das trotz Kriegen und Krisen sich mit Eigensinn und Mut ein Stückchen Glück erobert. Ein Roman, so trickreich erzählt, dass die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt. Es ist eines der Bücher, das man lächelnd zurück ins Regal stellt und dabei einen kleinen Sprung in der Mitte des Herzens verspürt. Ich weiß, das mag vielleicht ein wenig kitschig klingen, ist aber so.

Der Froschkönig – Adam Davies
Das Buch ist wunderbar geschrieben und eines von denen, die einen den Tag retten können, weil sie sich so verdammt gut anfühlen. Froschkönig ist ein tragischer Liebesroman für alle, die Liebesromane hassen. Man taucht in eine zauberhafte Geschichte über einen jungen Mann in New York, der in einem Verlag arbeitet und sich gegen jegliche Klischees fürchtet, auch vor der Liebe. Und nicht nur das: Er leidet, trinkt, träumt – immer mit der Hoffnung, sich von einem Frosch in einen König zu verwandeln.

Paradies verloren – Cees Nooteboom
Als ich dieses Buch am Ende zuklappte, es in das Regal zurückstellte, hatte ich den Inhalt vollkommen vergessen, weil ich zu überwältigt war von dem Gefühl, was diese Geschichte bei mir hinterließ. Paradies verloren ist ein kurzer Roman über flüchtige Begegnungen, rätselhafte Liebesverhältnisse und die Macht der Sehnsucht. Man kann es auch als eine kleine großartige Poesie in Romanform bezeichnen.

Fyksens Tankstelle – Lars Mytting
Zugegeben Männer und Autos können ganz schön nerven, doch nach diesem Buch sieht man alles mit ganz anderen Augen. Wer außerdem ein leichtes Zucken in der Magengegend verspürt, sobald er oder sie einen schönen Oldtimer auf der Straße entlangschweben sieht, sollte diese Lektüre nicht verpassen. In einer Zeit, in der all die schönen Autos wie Saab, Jaguar, Rover vorm Aussterben bedroht sind, verspeist von Indern und Chinesen, die nur an günstige Autos denken und den Charme der alten Automobile überhaupt nicht zu schätzen wissen, ist Fyksens Tankstelle eine kleine Oase der Glückseligkeit auf vier Rädern.

Mona – Alexander Gorkow
„Dieser Roman lässt einen nicht kalt. … Manchmal kommt einem dieser Blum in dem ganzen Getümmel von Rache, Flucht und Liebe vor wie Jean Paul Belmondo, immer außer Atem, dabei aber wunderbar bei sich und der Frau in seinen Armen, immer eine Zigarette im Mund, dabei ein Lächeln, das die Welt aufhalten könnte. … Manche werden alles von sich werfen, wenn sie diesen wunderbaren Roman lesen und sich dabei heißlachen. Aber vielleicht sollte man sich am Ende doch warm anziehen.“

Das schrieb Albert Ostermaier. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

 

Eine Antwort to “Literaturtipps”

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