Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns in der riesigen Stadt über dem Weg laufen würden? Auch wenn ich in Mathe nie die Leuchte gewesen bin, weiß ich, dass die Zahl am Ende der Rechnung relativ gering wäre.
Umso erstaunter bin ich jetzt noch immer über die Tatsache, dass ich aus der U-Bahn schaue und du im gleichen Moment hineinguckst, wir kurz überlegen, nach dem Augenblick der Erinnerung wie aufgeregte Hühner an den Fenstern klopfen, sich unsere Hände durch das kalte Glas berühren, dann kommst du kurz hinein, wir umarmen und küssen uns auf die Wange. Tauschen auf die Schnelle Wörter wie: Geht es dir gut? Wir telefonieren, ja? Schon summt die U-Bahn ihren Abfahrtssong und du springst raus. Die kleine Schauspielerin. Sieh an, denke ich und lächele.
Ehe ich mich versehe, fährt die Bahn weiter und du bist längst in der Menschentraube verschwunden, die die Treppen nach oben ans Tageslicht eilt. Die kurze Begegnung war wie ein kleiner warmer Lichtstrahl, der vor einer Minute an der richtigen Stelle in meinem Herzen vorüberzoomte.
Schön. Vier Jahre lang nicht gesehen und nun der kleine Glücksschub, der mich noch einige Tage begleiten wird wie die Februarsonne, die uns schon sehr lange in diesem Jahr die Treue hält.
