„Was wir vor uns sehen, ist nur ein winziger Ausschnitt der Welt. Wir haben uns angewöhnt zu denken, das sei die Welt, aber das stimmt ja überhaupt nicht. Die wirkliche Welt ist weit dunkler und tiefer, und der größte Teil davon ist von Quallen und solchen Getier bevölkert. Diesen ganzen Rest lassen wir einfach unter den Tisch fallen. Ist es nicht so? Zwei Drittel der Erdoberfläche ist Ozean; und mit bloßem Auge können wir davon nur die Oberfläche sehen: die Haut. Von dem, was sich unter der Haut abspielt, wissen wir praktisch gar nichts.“

[Aus "Mister Aufziehvogel" von Haruki Murakami.]

Eigentlich sollte es ein besonderes Highlight zu meinem Wochenabschluss werden: Das Japan-Festival 2008, das dieses Jahr im Postbahnhof am Ostbahnhof stattfand. Geworden ist es ein absolutes Desaster.

Bereits am Eingang steigt der Erwartungsdruck der Besucher enorm, denn bei einer Tageskarte von 13 € – ohne Ermäßigung (bis auf für Mangakostümierte) möchte man schon etwas geboten bekommen. Aus dem Augenwinkel beobachte ich viele Besucher, die entsetzt die Hände über die Köpfe zusammenschlagen und wieder gehen. Ich hingegen gebe jedem einem Chance, erst Recht der Kultur und schon wirklich der japanischen.

Schnell stelle ich allerdings fest, das dies ein Fehler gewesen ist. Ich hätte ebenso kehrtmachen müssen. Was ich in den – teilweise überhitzten – Hallen finde, ist traurig. Ein Bühnenprogramm, das an eine Amateurtheatergruppe erinnert. Auf dem Prospekt wurde beispielsweise eine Manga-Anime-Performance angekündigt. Geboten wird dem Publikum ein japanisches Märchen, das von einer jungen Frau so hastig und verhaspelnd vorgelesen wird, das man sich am liebsten Wattestäbchen in die Ohren stecken möchte. Der anschließende Tanz ist so unkoordiniert, das einem die Augen tränen. So sitzt man in dem Zuschauerraum, schwitzt wie wahnsinnig unter den blauen Lichtstrahlern und sucht vergeblich nach dem japanischen Zauber, der hier versprochen wurde.

Geben wir also dem Kulinarischem eine Chance. Ich bin mit meiner Udonsuppe zufrieden, wenngleich ich den Seetang suchen muss. Mein Begleiter hat für seine 5 € nur zwei Stückchen Fleisch bekommen. Da frage ich mich: Einfach nur Geiz oder handelt es sich hier um die bekannte japanische Zurückhaltung?

Die heißersehnte Kimonovorstellung endet ebenso im Debakel. Der unfähige Moderator auf der Bühne verspricht sich ein paar Mal, bevor er die große Kimonosammlerin Simone Seeger ankündigt. Drei Frauen und ein Mann präsentieren ihre wertvollen Kleidungsstücke, schleichen im Zeitlupentempo über die Bühne und ich frage mich, wie lange sie wohl für die Choreographie benötigt haben. Fehlt nur noch, dass aus dem Off Hape Kerkeling auf die Bühne springt. Das Ganze ist so japanisch wie Currywurst.

Unter dem großen Namen Japan-Festival habe ich mir etwas anderes versprochen. Eigentlich war es eine kleine Messe, nicht mehr und nicht weniger. Einziger Pluspunkt waren eins, zwei inspirierende Stände, die mir den Traum von dem Land nicht genommen haben. Den Glanz jedoch für diese Veranstaltung habe ich bis heute nicht finden können.

„Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Wenn man diese Tiefe begreift, kann einem nichts mehr verletzen, auch wenn man verliert. Man kann nicht immer gewinnen. Irgendwann verliert jeder. Wichtig ist, diese Tiefe zu begreifen.“

[Das Schweigen aus Wie ich eines Morgens im April das 100ige Mädchen sah. Haruki Murakami.]

„Mit Fieber erscheint einem die Welt luftig-leicht. So bleiern sich der Körper auch anfühlt, die Seele schwebt schwerelos umher, und man konzentriert sich ständig auf Dinge, an die man sonst keinen Gedanken verschwendet.“

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Ein Tempel in Kyoto.