Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich mal wieder einen Text über das kleine alltägliche Glück schreiben soll, aber ich kann nichts dagegen tun und sitze nun hier während meine Finger auf der Tastatur klimpern, ohne dass ich wirklich viel dazu beitragen muss. Mein Kopf schaukelt hin und her, meine Beine trommeln leise auf dem Boden und mein Herz schlägt Purzelbäume. Warum? Ja, warum eigentlich? Heute ist ein schöner Tag gewesen. I know Darling, eigentlich sollte es jeder sein und doch gibt es Tage, die funkeln aus der Masse der Wochen heraus wie zarte Sternschnuppen. Ihre Zacken erzeugen so bestimmte Vibrations in uns, dass wir für einige Momente vergessen, wer wir sind, wo wir herkommen und wo wir hinwollen, denn wir sind einfach da: Wir sind vollkommen mit uns und der Welt da draußen. Und mal ehrlich: Wenn wir es immer wären, dann gäbe es doch diese bestimmten Schwingungen nicht mehr.
Neben dem totalem Genuss sind solche Augenblicke auch kleine weise Mönche, die zärtlich an meinem Kopf klopfen. I know Darling, ich könnte es viel öfter haben, wenn ich nicht so gedankenbeladen wäre. Wenn sich nicht immer alles um mich und meine kleinen Wehwechen drehen würde. Wenn ich loslassen könnte. Wenn ich mehr Vertrauen hätte. Wenn, wenn, wenn… Höre ich da etwa eine Abrechnung mit mir? Vielleicht. Ein bisschen.
Ich bin ein großes Mädchen, habe schon so Einiges erreicht und stelle mir selbst oft die Beine, obwohl es nicht sein muss. Wie doof, höre ich da draußen einige Stimmen. Ja und wie doof! So was will groß sein? Ich könnte jetzt sagen, aber ich bin doch ein sensibler Mensch, doch das zählt nicht, davon gibt es viele da draußen und sie beißen sicherlich öfter die Zähne zusammen als ich. Also doch: Abrechnung! Zunächst aber bitte schön: Einsicht. Bestimmt gibt es auch Menschen da draußen, die mit mir fühlen und sich selbst über sich ärgern. Aber was bringt es uns? Nichts! Reine Energieverschwendung. Ich bin mir heute darüber im Klaren, ich habe mich für einen Weg entschieden, der der Einsicht folgt und nicht immer einfach, dennoch machbar sein wird.
Wer mir dabei helfen wird? Vier Dinge, die mich heute unwahrscheinlich stärken und tanzen lassen: Ein Tuch mit dem Stadtplan von Tokyo. Die kraftvolle Stimme einer Sängerin. Weise Gedanken in einem sehr persönlichen Buch meines Lieblingsschriftstellers, Haruki Murakami. Und die Liebe von einem Menschen an meiner Seite, mit dem ich schon viel gekämpft habe. Und noch etwas: Das Gefühl, zu wissen, dass ich nicht allein bin, Freunde habe, die ehrlich zu mir sind, mich auffangen, mich wachrütteln.
Sicherlich ist das Leben hart. Wir alle kämpfen. Jeder auf seine Art und Weise. Und es gibt Tage, an denen sehen wir nur das Grau im Himmel und übersehen das Blau. Ich habe heute einen sehr wichtigen Satz gelesen: Schmerz ist unvermeidlich, Leiden eine Option. Wie oft sehen wir oder sehe ich nur das Leid als festen Baustein. Ich lege mich so gern dort hinein als wäre es mein warmes Bett. Weil es am einfachsten ist. Einknicken bedarf nicht viel Anstrengung. Sich dem Leid stellen jedoch erfordert Kraft und Mut, das man schnell übersieht oder versteckt. Es ist doch leicht, sich ein Streicheln abzuholen anstatt zu lächeln, obwohl einem nicht danach ist. Aber beeindrucken uns nicht gerade die Menschen, die in ihrem Leben kämpfen mussten und trotzdem keine vom Zorn gezeichneten Gesichter haben? Manchmal fragen wir uns, wo sie das Lachen in ihren Augen herhaben. Von ihrer Stärke dem Leid zu trotzen und weiterzumachen, zu vergessen, wer wir sind, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Wie beim Glück. Hier sein und nicht dort.
Ich beginne zu begreifen, sehe den Weg vor mir und stelle mich nun einfach daneben und gebe anderen den Raum. Vertrau dem Sinn und alles wird sich richten. Früher oder später. Auf jeden Fall: Ganz bestimmt.

